Das eigene Auto hat in vielen Bereichen unser städtisches Leben geprägt. Zweifellos können Autos ihren Besitzern viel Bequemlichkeit, Komfort, individuelle Freiheit und Möglichkeiten bieten.

Andererseits verbrauchen Autos eine enorme Menge an Ressourcen, sowohl bei der Herstellung als auch bei der täglichen Nutzung. Sie sind nicht nur einer der Hauptverursacher des Klimawandels, sondern stehen laut RAC Foundation auch zu etwa 95 Prozent der Zeit ungenutzt auf dem Parkplatz und beanspruchen wertvollen Platz in den Städten.

Autos führen zu mehr Umweltverschmutzung, sind oft Ursache für Bewegungsmangel und erhöhen das Risiko von Verkehrsunfällen. Die Zeit und die Energie, die aufgrund von Verkehrsstaus verloren geht, kann sich negativ auf die Wohnqualität einer Stadt und die Lebensqualität der Bewohner auswirken. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ein Thema in letzter Zeit bei Stadtplanern ganz oben auf der Prioritätenliste steht: die Verringerung unserer Abhängigkeit vom Auto.

Im Folgenden stellen wir einige Städte vor, die wichtige Schritte unternommen haben, um autofrei zu werden. Ob altbewährt, neu eingeführt oder noch nicht ganz ausgereift: die nachfolgenden Beispiele zeigen uns Möglichkeiten, wie ein autofreies Leben in Ballungsgebieten aussehen kann.

Fès, Marokko

In der historisch gewachsenen marokkanischen Stadt Fès befindet sich die älteste und größte Fußgängerzone der Welt. Die 9.400 verwinkelten Straßen in Fès el Bali – einem Geschäftsviertel der Stadt, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört – sind zu eng für Autos. Daher werden sie von Fußgängern, von den Karren fliegender Händler und manchmal auch von Eseln beherrscht.

Die quirligen Märkte von Fès, auf denen seit Jahrhunderten reger Handel betrieben wird, sind ein überzeugender Beweis dafür, dass Autos für das Florieren der lokalen Wirtschaft nicht immer unverzichtbar sind.

Barcelona, Spanien

Barcelona hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem bedeutenden kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum Südeuropas entwickelt. Mit der zunehmenden Beliebtheit der Stadt stieg auch die Zahl der Autos auf den Straßen immer weiter an. Im Jahr 2016 implementierte Barcelona daher sogenannte Superblocks. Dabei handelt es sich um 400 x 400 Meter große innerstädtische Bereiche – größer als ein Häuserblock, jedoch kleiner als ein ganzes Stadtviertel -, die den Fußgängern vorbehalten sind.

Da das Konzept weltweit an Popularität gewinnt, sieht Barcelonas Plan für urbane Mobilität 2024 die Einrichtung von 503 Superblocks in der ganzen Stadt vor. Man erhofft sich, dass dadurch mehr als 80 Prozent des innerstädtischen Verkehrs zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt werden können.

Oslo, Norwegen

Wer versehentlich mit seinem Kfz in das autofreie Zentrum von Oslo fährt, wird dort keinen Parkplatz finden. Denn die norwegische Hauptstadt hat im Rahmen ihrer Initiative „autofreies Stadtleben“ alle Parkplätze abgeschafft. Seit seiner Einführung im Jahr 2015 konnte mit diesem Programm die Zahl der Autos im Zentrum von Oslo fast auf null reduziert werden, und auch in einigen anderen Stadtvierteln wurde die Zahl der Fahrzeuge drastisch verringert.

Im Ergebnis wurde so nicht nur die Umwelt entlastet: 2019 war Oslo auch die erste Großstadt der Welt, in der es keine tödlichen Unfälle mit Fußgängern oder Radfahrern zu beklagen gab. Stattdessen verzeichneten die Geschäfte einen Anstieg der Besucherzahlen um zehn Prozent, während gleichzeitig immer mehr Menschen in das Stadtzentrum übersiedelten und so die Stadt wirtschaftlich und kulturell verjüngten.

Gent, Belgien

Das belgische Gent gehört zu den Vorreitern der autofreien Bewegung in Europa. Bereits 1996 beschloss die Stadt, ein 35 Hektar großes Fußgängerzentrum einzurichten, um so von den Vorteilen des Autoverzichts für Umwelt, Wirtschaft und Lebensstil zu profitieren. Im Ergebnis ist das Zentrum von Gent seit 2017 nahezu autofrei.

Ein mit den Veränderungen sehr zufriedener Anwohner erklärte gegenüber The Guardian: „Ich persönlich habe das Gefühl, dass die Straßen belebter sind, weil sie nicht mehr nur für Autos da sind. Im Sommer stellen mehr Menschen ihre Stühle raus, um auf dem Bürgersteig zu sitzen und sich zu unterhalten, und einige Straßen werden zu ‚lebendigen Straßen‘, wo Kinder draußen spielen und skaten können und Erwachsene Grillabende veranstalten.“

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